Finnische Biotie gliedert deutschen Standort aus – Neugründung der biocrea GmbH
Der finnische Medikamentenentwickler Biotie Therapies Corp. mit Hauptsitz in Turku ordnet sein Deutschlandgeschäft neu und will sich massiv verkleinern. Wie das Unternehmen jetzt mitteilte, wird die deutsche Niederlassung im sächsischen Radebeul ausgegliedert. Die im Zuge eines Management-Buyouts neu gegründete biocrea GmbH will sich auf die Forschung an präklinischen Wirkstoffkandidaten konzentrieren und wird dazu alle Mitarbeiter sowie die präklinischen Vermögenswerte der ehemaligen Konzernmutter übernehmen. Der bisherige Biotie-CSO Thomas Kronbach wird geschäftsführender Direktor von biocrea, Biotie bleibt Minderheitsaktionär und stellt für die nächsten zwölf Monate 4,8 Mio. Euro als Starthilfe zur Verfügung. Danach soll sich Biocrea durch andere Quellen finanzieren, heißt es aus Finnland. Die bisherige deutsche Tochter Biotie Therapies GmbH bleibt als reine Hülle ohne Mitarbeiter und ohne Projekte zurück.
Die Neuordnung des deutschen Standorts ist Teil einer größeren Umstrukturierung bei Biotie, die auch den Hauptsitz Turku betrifft: Hier soll die Mitarbeiterzahl von derzeit etwa 37 auf nur noch 22 schrumpfen. Die Rosskur soll ab 2011 für jährliche Einsparungen von vier Millionen Euro sorgen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit Hilfe der jetzt unternommenen Schritte unsere klinische Pipeline voranbringen können,“ so Biotie-CEO Timo Veromaa. Im Fokus steht vor allem Nalmefene. Das Medikament zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit wird derzeit gemeinsam mit dem dänischen Pharmaunternehmen Lundbeck in einer Phase III-Studie getestet. Für Ende 2010 werden die Daten erwartet. Zwei weitere Produkte, Ronomilast und BTT-1023, haben Phase I-Studien erfolgreich abgeschlossen und sollen nun in Phase II weiterentwickelt werden. Ronomilast ist ein Phospho-Diesterase-4-Inhibitor, der bei Patienten mit chronischer obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) eingesetzt werden soll. BTT-1023 ist ein monoklonaler Antikörper, der gegen das vaskuläre Adhäsionsprotein 1 (VAP-1) gerichtet ist und zur Behandlung von rheumatoider Arthritis getestet wird.
Für Radebeul ist die neuerliche Umstrukturierung eine weitere Episode in der wechselvollen Geschichte des traditionsreichen Pharmastandorts. 2002 entstand dort das Biotech-Unternehmen Elbion als Abspaltung aus der Pharma-Sparte der Degussa-Gruppe, die nach der Wende Teile des ehemaligen VEB Arzneimittelwerks Dresden in Radebeul übernommen hatte. Später fusionierte Elbion mit der belgischen 4AZA Bioscience, 2008 übernahmen schließlich die Finnen den Standort.
Quelle: Cluster Biotechnologie-Life Sciences Mitteldeutschland, c/o medways e.V.
